Wer sich den Telefonbetrüger als einsamen Hacker im Kapuzenpulli vorstellt, unterschätzt das Problem. Hinter den Anrufen stehen Callcenter mit Dutzenden bis Hunderten Arbeitsplätzen, überwiegend in Südasien und Westafrika, zunehmend auch in Osteuropa. Es gibt Schichtpläne, Team-Leiter, Gesprächsskripte und Provisionen für „erfolgreiche“ Anrufe.
Die Arbeitsteilung ist professionell: „Opener“ führen den Erstkontakt und qualifizieren die Opfer, „Closer“ übernehmen, sobald Fernzugriff besteht oder Geld fließen soll. Rufnummern werden maschinell gewählt, die angezeigte Nummer wird gefälscht. Listen mit Telefonnummern und persönlichen Daten stammen aus Datenlecks und werden im Untergrund gehandelt – deshalb wissen die Anrufer manchmal erschreckend viel.
Internationale Ermittlungen zeigen die Dimension: Immer wieder werden Callcenter mit Hunderten Beschäftigten ausgehoben, die Ermittler finden Skripte für ein Dutzend Maschen parallel – Microsoft-Support, Bank-Sicherheit, Anlagebetrug, Rückerstattungen. Für die Betreiber ist das ein Geschäft mit kalkulierbarem Risiko: Die Opfer sitzen in reichen Ländern, die Täter in Staaten mit schwacher Strafverfolgung.
Für den Schutz zu Hause folgt daraus etwas Wichtiges: Es hat keinen Sinn, auf das Ende der Anrufe zu warten. Solange die Masche profitabel ist, wird angerufen. Verteidigen lässt sich nur die eigene Seite der Leitung – mit klaren Familienregeln und damit, dass der PC den Tätern die Tür nicht öffnet, selbst wenn sie am Telefon gewinnen. Der Fernschutz-Wächter ist genau diese zweite Verteidigungslinie.