Es ist der Moment, der selbst skeptische Menschen umwirft: Das Display zeigt die echte Nummer der Hausbank – oder gleich die 110. „Das muss doch echt sein, die Nummer stimmt!“ Leider nein. Die angezeigte Rufnummer ist technisch nur eine Angabe, die der Anrufer mitschickt – und über Internet-Telefonie lässt sie sich mit frei verfügbaren Diensten beliebig fälschen. Das nennt sich Call-ID-Spoofing.
Die Täter setzen das gezielt ein: Die Bank-Masche kommt mit der echten Hotline-Nummer der Bank, der „Europol-Anruf“ mit einer Behördennummer, der Schockanruf mit der 110. Dabei gilt ausgerechnet hier eine todsichere Regel: Die echte Polizei ruft niemals mit der 110 an – die 110 ist eine reine Notrufnummer für eingehende Anrufe. Wer die 110 im Display sieht, hat den Beweis für Betrug direkt vor Augen.
Auch sonst folgt aus dem Spoofing eine wichtige Konsequenz: Die angezeigte Nummer ist als Echtheitsbeweis wertlos. Sie taugt weder zur Entwarnung („die Nummer stimmt ja“) noch übrigens zur Verurteilung – auch seriöse Anrufer können über Umleitungen mit fremden Nummern erscheinen.
Was stattdessen zählt: der Inhalt des Anrufs (Geld? Computer? Druck? → auflegen) und der selbst gewählte Rückruf. Wer zur angeblich anrufenden Stelle Kontakt will, wählt die Nummer selbst – aus dem Adressbuch, von der Karte, von der offiziellen Website. Ein selbst gewählter Anruf landet immer beim echten Anschlussinhaber, egal was vorher im Display stand. Dieser eine Handgriff entwertet die gesamte Spoofing-Technik der Täter.